Die Bestandserfassung einer Kiesgrube zählt zu den Leistungen der Vermessung. Um qualitativ hochwertige Ergebnisse mit einem wirtschaftlich vertretbaren Aufwand zu erhalten ist meist eine Kombination unterschiedlichster Vermessungsverfahren sinnvoll.
Vermessung aktiver Kiesgruben
Der Abbau von Kies und Sand verändert die Geländestruktur über Jahre hinweg. Dadurch ist es nötig die Grube in unterschiedlichen Abbauzuständen zu erfassen - vor dem Abbau als Grundlage für die Abbauplanung und die Rekultivierungsplanung, während des Abbaus in festgelegten zeitlichen Abständen und nach der Rekultivierung zur abschließenden Dokumentation des Geländezustands.
Herausforderungen:
Steile Böschungen, wassergefüllte Senken und aktive Abbauzonen sind teilweise nicht begehbar. Durch fortlaufende Materialentnahme verändert sich die Topografie kontinuierlich. Eine Dokumentation muss diese Veränderungen zuverlässig erfassen – auch zur Einhaltung genehmigungsrechtlicher Vorgaben. Messungen in Abbruchkanten, Böschungs- oder Fahrbereichen von schweren Baumaschinen bergen Risiken.
Große Flächen bei gleichzeitig hoher Genauigkeit:
Kiesgruben umfassen häufig mehrere Hektar. Die Verbindung aus großen Arealen und der Notwendigkeit genaue Volumenberechnungen wirtschaftlich zu erstellen, erfordert leistungsfähige Methoden. Hier bietet sich die Kombination verschiedener Messverfahren an. Über den gesamten Kiesabbau wird eine Befliegung mit einer Drohne (UAV – Unmanned Aerial Vehicle) durchgeführt. In Bereichen mit hohem Bewuchs oder in Uferbereichen, in denen eine Befliegung fehlerhafte Daten liefert, können die Messergebnisse durch terrestrische Messverfahren, GNSS (satellitengestütztes Messverfahren) oder durch Peilung von einem Boot aus ergänzt werden.
Digitale Datenerfassung aus der Luft – Vorteile der Drohnenbefliegung
Drohnen ermöglichen eine wirtschaftliche Vermessung von Kiesgruben. Die erzeugten Daten bieten einen hohen Informationsgehalt, der weit über klassische Messungen hinausgeht.
Hochauflösende Orthofotos:
Georeferenzierte Luftbilder ermöglichen eine genaue Dokumentation – ideal für Planungs- und Dokumentationszwecke.
Dichte Punktwolken:
Durch photogrammetrische Verfahren oder durch den Einsatz eines LIDAR entstehen Punktwolken mit hoher Punktdichte, aus denen detaillierte Geländemodelle (DGM) abgeleitet werden können.
3D-Modelle:
Die Punktwolken werden mit den konventionell erfassten Messungen kombiniert und der Inhalt auf einen handelbaren Umfang reduziert. Aus den Modellen können Volumen, Schnitte und Grundrisse abgeleitet werden. Dies bietet den großen Vorteil für Betreiber, die Materialbewegungen nachzuvollziehen oder genehmigungsrelevante Nachweise erbringen zu können.
Wiederholbarkeit und Vergleichbarkeit:
Regelmäßige georeferenzierte Messungen ermöglichen es, Veränderungen exakt zu dokumentieren – ob monatlich, quartalsweise oder nach Bedarf. Dadurch lassen sich Abbaufortschritt, Restmengen und Lagerbestände verlässlich bewerten.
Modellerstellung – vom Flug zum Geländemodell
Die Befliegung ist nur ein Teil des Prozesses. Erst die fachgerechte Auswertung macht die Daten nutzbar.
1. Flugplanung
Der zu befliegende Bereich wird vorab definiert. Aus der geforderten Genauigkeit ergeben sich die Anforderungen an die Flughöhe. Daraus berechnet eine Planungssoftware eine Flugroute, um eine optimale Überlappung der Bilder und eine vollständige Erfassung der Fläche sicherzustellen. Luftraumbeschränkungen und betriebliche Abläufe der Kiesgrube werden einbezogen.
2. Bildaufnahme und Georeferenzierung
Während des Flugs entstehen mehrere hundert bis tausend Einzelbilder, deren Lage durch GNSS bereits im Zentimeterbereich bekannt ist. Ergänzend werden Passpunkte terrestrisch eingemessen, um ein hochgenaues Referenzsystem bereitzustellen.
3. Photogrammetrische Auswertung
In der Auswertung werden Bilddaten zu dichten Punktwolken verarbeitet. Anschließend erfolgt die Ableitung von Orthofotos und 3D-Geländemodellen.
4. Analyse und Weiterverarbeitung
Aus den Modellen können folgende Ergebnisse abgeleitet werden:
- Volumen von Abbau- und Zwischenlagern
- Fortschreibungen des Geländes
- Dokumentation genehmigter Abbaugrenzen
- Böschungsüberwachung
- Darstellung für Genehmigungsverfahren
Präzision und Effizienz für Betreiber
Der Einsatz von UAS bietet sowohl technisch als auch wirtschaftlich klare Vorteile:
- Zeitersparnis: Große Flächen werden in kurzer Zeit vollständig erfasst.
- Sicherheit: Keine Begehung gefährlicher Bereiche notwendig.
- Dokumentation: Lückenlose Bestandsaufnahmen ermöglichen ein transparentes Monitoring des Abbaus.
- Planungssicherheit: Volumen und Geländemodelle unterstützen Genehmigungen, Abrechnungen und langfristige Betriebsplanung.
Fazit: Moderne Vermessung schafft Klarheit und Sicherheit
Die Erfassung einer Kiesgrube mit anschließender Modellerstellung bietet eine effiziente Methode zur Erfassung dynamischer Abbaugebiete. Durch aktuelle Modelle erhalten Betreiber eine verlässliche Grundlage für Planung, Kontrolle und Dokumentation – und erfüllen zugleich die gestiegenen Anforderungen an Genauigkeit und Nachweisführung.
Kling Consult verbindet moderne Vermessungstechnologien mit langjähriger Erfahrung in der Auswertung und Interpretation der Daten. Unsere Befliegungen liefern gesicherte und nachvollziehbare Ergebnisse, die den gesamten Lebenszyklus einer Kiesgrube unterstützen – von der Antragsstellung bis zur Rekultivierung.

