Verkehrslärmschutz in der Praxis


  • Dezember 2017

Das Thema Schallimmissionsschutz hat in den vergangenen Jahren insbesondere in Ballungsräumen und entlang von stark frequentierten Verkehrswegen stetig an Bedeutung zugenommen, sodass mittlerweile zu beinahe sämtlichen Bauleitplanverfahren entsprechende Schallgutachten erforderlich sind. Dabei führen gleichzeitig steigende Anforderungen an vorbeugende Vorkehrungen zum Schutz vor Verkehrslärmimmissionen zu umfassenden Abstimmungsbemühungen sowie praktikablen Lösungsansätzen und wegen im Rahmen von Bauleitplanverfahren.

Der Fall Reese-Kaserne
Die Stadt Augsburg hat für die ehemalige Konversionsfläche „Reese-Kaserne“ im Stadtteil Kriegshaber in den Jahren 2006 bis 2008 den Bebauungsplan Nr. 228 „Reese-Kaserne“ für eine Fläche von 54 ha aufgestellt. Aufgrund der unmittelbaren Nähe von geplanten schützenswerten Nutzungen zu umgebenden Verkehrsstraßen, Straßenbahnlinien 2 und 5 und drei im Osten gelegene DB-Bahnstrecken wurden die Verkehrslärmimmissionen gemäß DIN 18005-1 beurteilt. Auf Basis der üblichen zu berücksichtigenden Prognosehorizonte wurden ausgerechnet im zentralen Bereich des Plangebietes mit Anbindung an eine Grünzäsur insbesondere zur Nachtzeit deutliche Überschreitungen des Orientierungswertes festgestellt. Ursache hierfür waren die von der Deutschen Bahn AG mitgeteilten Zugzahlen für das Prognosejahr 2015, die teilweise 100 % über der Bestands-Belastung von 2007 aufgrund einer z. T. angenommenen Verdreifachung des Güterverkehrs lagen und zu einer unrealistisch hohen Streckenauslastung führten. 

Ein praktikabler Ansatz
Im Rahmen von Abstimmungsbesprechungen mit dem Umweltamt der Stadt Augsburg zu Beginn des Projektes wurde zweiseitig die Auffassung vertreten, dass die Schienenverkehrslärmimmissionen gegenüber den Straßenverkehrslärmimmissionen aufgrund des großen Abstands zwischen Untersuchungsraum und Bahnstrecken sowie Abschirmung durch dazwischenliegende Straßenzüge eine untergeordnete Rolle spielen. Anhaltspunkte hierfür ergab die 2006 erfolgte Auswertung der Immissionsrasterlärmkarten des Lärm- und Luftschadstoff-Informations-Systems (LLIS) der Stadt Augsburg, welche durch die angeforderten Daten von der Deutschen Bahn AG in den Emissionsdaten übertroffen wurden. Im Folgenden wurden unterschiedlichste Prognose-Szenarien berechnet und mit dem Stadtplanungsamt, dem Umweltamt und auch mit der Höheren Immissionsschutzbehörde bei der Regierung von Schwaben diskutiert. Im Ergebnis wurden die richtliniengemäß zu berücksichtigenden Emissionsansätze hinterfragt u. a. in Hinblick auf die technischen Kapazitätsgrenzen der Bahnstrecken. 
Die von der DB AG nach außen gegebenen Prognosezahlen des Zugverkehrs für den jeweiligen Prognosehorizont sind theoretische Zahlen, die auf Vorgaben im Bundesverkehrswegeplan beruhen. Dort sind Tonnagezahlen enthalten, die von der DB AG in Zugzahlen umgerechnet werden. Da zusätzlich seinerzeit von der EU ein Sanierungsprogramm der Güterwagen (Stichwort Klotzbremsen) durchgeführt wurde, generell zunehmend neue Hochgeschwindigkeitsstrecken in potenziellen Zeitfenstern für den Güterverkehr genutzt werden sowie auch ab 2008 Planungen zur Umsetzung von Lärmschutzmaßnahmen für vorliegende Bahnstrecken begonnen haben, einigten sich die Beteiligten auf die Bestands-Zugzahlen von 2007 als Darstellung der realistisch zu erwartenden Verkehrslärmbelastung. „Rückblickend auf die Entwicklungen der vergangenen 10 Jahre sowie aufgrund der aktuell abgerufenen viel niedrigeren Prognosezahlen für 2025 hat sich die damalige Entscheidung als richtig und realistisch erwiesen“ so Stefan Klein vom Umweltamt der Stadt Augsburg.

Im Team Raumordnungsplanung werden Schallgutachten bearbeitet von
Dipl.-Geogr. Daniela Saloustros
Dipl. -Ing. (FH) Martin Böhm

Rasterlärmkarte: farbliche Darstellung der Verkehrslärmimmissionen

Luftbild Reese-Kaserne

Bebauungsplan