Neubau des Büro- und Produktionsgebäudes der Sanomed GmbH


  • März 2021

Auf einem 25.000 Quadratmeter großen Grundstück am Ortsrand von Vöhringen ist der neue Standort der Sanomed Gesundheits- und Nahrungsmittelherstellung GmbH entstanden. Doch wie gelangt man von einer grünen Wiese zu einem fertigen Firmenstandort? Mit der Hilfe von Kling Consult! Von Beginn an waren eine Vielzahl unterschiedlicher Ingenieure, Geographen und Architekten in das Bauvorhaben involviert:

Raumordnungsplanung: Schaffen des Baurechts

Im ersten Schritt kümmerte sich unser Team Raumordnungsplanung um die Änderung des Flächennutzungsplans für den gesamten Entwicklungsbereich des seit langem beabsichtigten Gewerbestandorts Vöhringen-Ost. Nach Zustimmung der Stadt Vöhringen wurde ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt, um das Baurecht für das geplante Bauvorhaben von Sanomed zu erlangen. Die Genehmigung wurde erteilt – es konnte losgehen.  

Vermessung: Erzeugen präziser Grundlagen für Planung und Bau

Die Vermessung begleitete das Bauvorhaben von Beginn an. So erzeugte das Team den Bestandsplan als Grundlage für die Bauleitplanung, die Planungen im Hoch- und Tiefbau sowie für die Erschließung. Für die Baumaßnahme erstellte die Vermessung ein Grundlagenfestpunktfeld in mm-Genauigkeit und übertrug die geplante Lage des Gebäudes in die Örtlichkeit.

Baugrundinstitut: Erkunden der Baugrundverhältnisse

Bereits kurz nach dem Planungsstart führte das Team Baugrundinstitut Felduntersuchungen durch, um die Baugrundverhältnisse zu erkunden. Hierbei wurden, unter Berücksichtigung von bereits vorliegenden früheren Untersuchungsergebnissen, zwei verrohrte und großkalibrige Baugrundaufschlussbohrungen, zwei Kleinrammbohrungen sowie vier Sondierungen mit der schweren Rammsonde abgeteuft. Hierbei entnommene Bodenproben wurden anschließend im bodenmechanischen und chemischen Labor untersucht, bevor das Team die Ergebnisse der feld- und labortechnischen Untersuchungen in einem Baugrundgutachten zusammengefasst hat. Erwartungsgemäß wurden im Planungsgebiet quartäre Kiese aufgeschlossen, die von natürlich abgelagerten Deckschichten in unterschiedlicher Mächtigkeit überlagert werden. Der tiefere Untergrund wird von den jungtertiären Ablagerungen der Oberen Süßwassermolasse (OSM) gebildet.

Die quartären Kiese und OSM-Ablagerungen stellten für die meist nicht allzu hohen Bauwerkslasten insgesamt den tragfähigen Horizont für den neuen Standort von Sanomed dar. Lediglich im Bereich der Bodenplatte des Hochregallagers bzw. im Bereich des Bürogebäudes wurde eine tiefreichende Bodenverbesserung durch eine Rüttelstopfverdichtung ausgeführt, da hier vergleichsweise hohe bzw. konzentriertere Bauwerkslasten bei einer gleichzeitig höher liegenden Gründungsebene zu erwarten waren. Die Deckschichten und teils auch die quartären Kiese wurden dadurch flächig verbessert. Durch die Bodenverbesserung können die zu erwartenden Setzungen deutlich reduziert und die Tragfähigkeit der betroffenen Böden erhöht werden. Innerhalb der quartären Kiese ist relativ oberflächennah ein Grundwasservorkommen ausgebildet, das zur thermischen Nutzung zu Heiz- und Kühlzwecken herangezogen wird.

Tiefbau: Gründungsarbeiten und Erschließungsmaßnahmen bilden die Basis

Der Tiefbau war bereits bei der Suche nach einem geeigneten Standort für die Firma Sanomed beteiligt. Nachdem die Wahl gefallen war und die Genehmigung vorlag, hat das Team mit der Planung einer Privatstraße sowie aller notwendigen Sparten zum neuen Grundstück für die Basis des künftigen Firmenstandortes gesorgt. Die Umsetzung der Maßnahmen haben die Ingenieure auf der Baustelle überwacht - ein weiterer Meilenstein für die folgenden Planungsschritte war erreicht. Nach der Errichtung des Hochbaus war das Team Tiefbau für die Fertigstellung der Außenanlagen inkl. aller notwendigen Ver- und Entsorgungsleitungen verantwortlich. Dabei wurden u.a. Parkplätze und dezentrale Versickerungsanlagen geplant. Durch die Versickerungsanlagen kann das anfallende Niederschlagswasser direkt auf dem Grundstück von Sanomed versickert und so dem natürlichen Wasserkreislauf wieder zugeführt werden. Zudem wurden unterirdische Löschwasserbehälter an drei Seiten der Werkshalle eingesetzt, um im Notfall die ausreichende Löschwasserversorgung für das zukünftige Werk zu gewährleisten.

Architektur: Individuelle Planung und Gestaltung des Neubaus 

Bei der Architektur-Planung wurden zuerst im Rahmen der Bedarfsermittlung die Ziele und Anforderungen an den Neubau in Abstimmung mit dem Bauherrn ermittelt. Auf dieser Basis wurden Gebäudeentwürfe erarbeitet. Dabei fanden regelmäßig intensive Planungsworkshops mit dem Bauherrn statt, um die Materialflüsse und Arbeitsabläufe des Betriebs optimal widerzuspiegeln. Auch die Möglichkeit einer zukünftigen Erweiterung wurde in der Objektplanung berücksichtigt. Das Ergebnis: Der Entwurf für einen L-förmigen Verwaltungstrakt sowie einem angrenzenden Lager- und Produktionstrakt. Der Gebäudekomplex umfasst neben den Räumlichkeiten für Produktion, Lager und Verwaltung auch eine Werkstatt sowie ein Labor für Forschung, Entwicklung und Qualitätssicherung. Die Produktionshalle bietet Platz für mehrere Verpackungslinien und das Lager wurde für eine optimale Flächenausnutzung als elektrisch betriebenes Verschieberegal ausgelegt. Die Büros wurden großzügig und hell gestaltet. Ein grüner Innenhof sowie rundherum grüne Flächen runden den Neubau ab.

Tragwerksplanung: Sicherstellen der tragfähigen Baukonstruktion

Auf Basis der Planung des Teams Architektur sicherte das Team Tragwerksplanung die Tragfähigkeit, die Dauerhaftigkeit und Gebrauchstauglichkeit der Baukonstruktion. Durch eine frühzeitige Visualisierung konnten Produktionsabläufe simuliert und die sich daraus ergebenden optimalen Dimensionen für die Bauteile und die Tragkonstruktion festgelegt werden. So wurde die Konstruktion der eingeschossigen Produktionshalle mit Fertigteilstützen aus Stahlbeton und Fertigteilbindern aus Spannbeton mit einer maximalen Stützweite von 20,0 Metern erarbeitet. Dabei sind die tragenden Stützen als aussteifende Kragstützen in Köcherfundamente eingespannt, um die auftretenden Lasten abzutragen. Die Dachhülle bildet ein Trapezblech auf den Spannbetonbindern. Die Lagerhalle mit zweigeschossigen Einbauten weist eine Höhe von bis zu zehn Metern mit lichten Weiten bis zu 25,5 Metern auf. Der Lastabtrag wird durch Spannbetonbinder gewährleistet. Um die Standsicherheit auch bei horizontalen Kräften wie Wind und Imperfektionen zu gewährleisten, erfolgte auch hier die Aussteifung durch in Köcherfundamente eingespannte Kragstützen.

Bauleitung: Steuerung und Kontrolle des Bauprojekts

Bei dem Neubau von Sanomed wurden alle Gewerke einzeln vergeben, was einen hohen Koordinationsaufwand zur Folge hat: Welche Firma muss wann auf der Baustelle sein? Welche Arbeiten müssen wann verrichtet werden? Die interne sowie externe Koordination haben unsere Bauleiter übernommen. Außerdem waren zwei Mitarbeiter täglich vor Ort, um die fachgerechte Erbringung der Bauleistung auf der Baustelle sicherzustellen. Ein besonders aufregender Tag war der, als auf dem Trapezblechdach ein mehrerer Tonnen schwerer Stahlgitterrost montiert wurde, der nun die Lüftungsgeräte trägt. Hierfür wurde Hand in Hand mit den verschiedenen ausführenden Firmen partiell das Dach geöffnet und nach der Montage der zahlreichen massiven Trägerfüße sofort wieder geschlossen und abgedichtet, um die Lüftungsgeräte direkt montieren zu können. Alle Arbeiten mussten unter hohen hygienischen Anforderungen des Lebensmittelherstellers hinsichtlich der erforderlichen Zertifizierungen verrichtet werden. Während des gesamten Bauablaufes haben die Bauleiter von Kling Consult stets die Qualität der ausgeführten Arbeiten kontrolliert und die anschließende Kostenkontrolle übernommen.

Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordination: Sicherstellen des Arbeitsschutzes auf der Baustelle

Unsere SiGe-Koordinatoren haben bereits in der Planungsphase mögliche Gefährdungen eruiert, um folgend die entsprechenden Sicherheits- und Schutzmaßnahmen im SiGe-Plan zu definieren und festzulegen. In der Ausführungsphase wurden die gelisteten Maßnahmen auf der Baustelle von Sanomed in regelmäßigen Abständen kontrolliert, auf deren Einhaltung und Umsetzung geachtet und bei Auffälligkeiten zur Behebung angemahnt. Besonders achtsam waren die Kollegen bei örtlichen und zeitlichen Abhängigkeiten von Gewerkefolgen und damit verbundene, gleichzeitig laufende Tätigkeiten der verschiedenen ausführenden Firmen. So musste beispielsweise die Absturzsicherung auch in einem Zeitraum gewährleistet sein, als das provisorische Treppengeländer - seitens Rohbau in einem frühen Ausführungsstadium benötigt und erstellt - durch das finale Treppengeländer ersetzt wurde. Sämtliche fest gelegten Maßnahmen wurden von allen Beteiligten eingehalten und umgesetzt, wodurch es zu keinen gefährlichen Situationen im Bauablauf und Unfällen von dort tätigen Arbeitskräften kam.

Zusätzlich haben unsere SiGe-Koordinatoren auf die gebotene Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln geachtet, welche durch die Corona-Pandemie in den Vordergrund rückten. So mussten Sanitär- und Besprechungscontainer sowie ein Erste-Hilfe-Container vorhanden und gereinigt sein. Zudem waren die vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen der Berufsgenossenschaft Bau zu berücksichtigen und umzusetzen. Auch diese Regeln und Schutzmaßnahmen wurden von allen Beteiligten befolgt, so dass der Bauablauf zu keinem Zeitpunkt stillgestanden ist.

Generalplanung: eingespieltes internes Netzwerk bei Kling Consult

Durch die Generalplanung von Kling Consult konnten die Prozesse bei dem Neubau von Sanomed effizient gestaltet und der Administrationsaufwand reduziert werden. Dabei wurde mit BIM (Building Information Modelling) eine gemeinsame Modellplattform für alle Beteiligten zur Verfügung gestellt, das auf einem 3D-Modell basiert. Der Bauherr wurde durch regelmäßigen Informationsaustausch am Modell in die Lage versetzt, seine Produktionsabläufe und Anforderungen an die Hygienebedingungen frühzeitig einzubringen. Die gemeinsame Arbeit an der Modelplattform ermöglichte es, Kollisionspunkte zeitnah zu erkennen und zu bereinigen. Zudem sorgten die eingespielten Kommunikationswege der beteiligten Fachbereiche für schnelle und nachhaltige Lösungen. Im Vordergrund der Planung und Bauleitung stand stets die Einhaltung des gegebenen Budgets, Zeitplanes und die gewünschte Funktionalität des Bauherrn.