Historische Erkundung von Altablagerungen und Altstandorten


  • Dezember 2017

Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) erfasst im Kataster nach Artikel 3 BayBodSchG, dem sog. „Altlastenkataster“, die in Bayern bisher ermittelten, altlastenverdächtigen Flächen. Im ersten Schritt erfolgt für diese Flächen die sogenannte „Historische Erkundung“, d.h. die Rekonstruktion der Nutzungshistorie mittels Archivrecherchen, Auswertung historischer Unterlagen und Dokumente, Auswertung von Karten und Luftbildern unterschiedlicher Aufnahmedaten, Zeitzeugenbefragungen, Darstellung der geologisch-hydrogeologischen Standortverhältnisse und Ortsbegehungen. 

Sachverständiger gemäß Bodenschutzgesetz
Zuständig für die Historischen Erkundungen sind die Kreisverwaltungsbehörden (i.d.R. die jeweiligen Landratsämter), welche die Durchführung der Leistungen meist an Ingenieurbüros vergeben. Kling Consult hat zahlreiche solcher Historischer Erkundungen durchgeführt, u.a. für die Landratsämter Augsburg, Aichach-Friedberg, Dillingen a.d. Donau oder Donau-Ries. Der Teamleiter des KC Baugrundinstitutes (BIKC), Dipl.-Geol. Dr. Armin Hagemeister, ist als Sachverständiger gemäß §18 BBodSchG u.a. für das Sachgebiet 1 (Historische Erkundung) zugelassen.
Vor Einführung der geregelten Abfallversorgung in den 1970er Jahren betrieb nahezu jede Gemeinde eine eigene Deponie, die als Entsorgungsstätte für die Abfälle der privaten Haushalte (z.B. Hausmüll, Bauschutt, Sperrmüll), aber auch für die Entsorgung gewerblicher Abfälle diente. Da eine Abdichtung der Deponien (sowohl an der Basis als auch an der Oberfläche) in den meisten Fällen nicht erfolgte, können aufgrund der Abfallablagerungen z.T. erhebliche Schadstoffemissionen auftreten. Ein besonderes Risiko kann dabei für den Wirkungspfad Boden-Gewässer vorliegen, z.B. bei geringen Grundwasserflurabständen, durchlässigen Böden (z.B. kiesig-sandigem Untergrund) oder wenn die Basis der Auffüllungen innerhalb des Grundwasserkörpers liegt.

Gefährdungsabschätzung und orientierende Untersuchung
Ziel der Historischen Erkundung ist daher die Ermittlung der Kubatur der Ablagerungen, des sog. Handlungs- und Zustandsstörers (d.h. des Verursachers und/oder Grundstückeigentümers), die Identifikation des möglichen Schadstoffinventars sowie der räumlichen Verteilung schadstoffhaltiger Ablagerungen. Aufgrund des z.T. hohen Gefährdungspotentials der abgelagerten Abfälle (z.B. Ölfässer oder Autowracks) ist auf Grundlage der Ergebnisse aus der Historischen Erkundung unter Berücksichtigung der geologisch-hydrogeologischen Standortverhältnisse eine Gefährdungsabschätzung für die Schutzgüter Mensch, Gewässer und Nutzpflanzen durchzuführen sowie – bei Erfordernis weitergehender Untersuchungen – das Untersuchungsprogramm für den zweiten Schritt der Altlastenbearbeitung, die Orientierende Untersuchung, vorzuschlagen. Das Team des KC Baugrundinstitutes hat bis heute 158 solcher Untersuchungen durchgeführt.

Zuständige für Historische Erkundungen im KC Baugrundinstitut ist 
M.Sc. Dagmar Matter

Untersuchungskonzept für die Orientierende Untersuchung einer ehemaligen Deponie im Landkreis Donau-Ries

Abfallablagerungen (Fässer, Sperrmüll etc.) in einer ehemaligen Deponie im Landkreis Donau-Ries, Aufnahme von 1974 (Quelle: Landratsamt Donau-Ries)

Abfallablagerungen (Metall, Glas, Überreste eines Fasses) im Bereich einer ehemaligen Deponie im Landkreis Donau-Ries, festgestellt im Rahmen einer Historischen Erkundung durch das BIKC im Jahr 2016.