Baupfusch: So finden unsere Sachverständigen den Verantwortlichen


  • Mai 2021

Fehlerhafte Montage der Fenster, Materialschäden oder doch fehlerhafte Konstruktion? Nicht immer liegt der Fehler bei der bauausführenden Firma. Doch wer ist dafür verantwortlich und vor allem, wer haftet dafür? Weil diese Schuldfrage oft nicht geklärt werden kann und sich die beteiligten Parteien nicht einigen, muss ein unabhängiger Experte weiterhelfen: der Bausachverständige.

Sachverständige bei der Arbeit: Begutachtung des Schadens vor Ort 

Bei einem neuen Fall machen sich unsere Sachverständigen als erstes auf den Weg zum Kunden, um den Schaden zu begutachten. Mit ihrer langjährigen Erfahrung gibt es fast nichts, dass sie noch ins Staunen bringen könnte: von massivem Schimmelbefall über gravierende Rissbildungen bis hin zu eingestürzten Gebäudeteilen haben sie schon alles gesehen. Vor Ort wird der Schaden begutachtet und dokumentiert, um Tatsachen und Fakten besser belegen zu können.  „Manchmal können wir schon nur durch die Begutachtung feststellen, was schiefgelaufen ist. Doch oft müssen wir auch Probeöffnungen oder weitergehende Untersuchungen vornehmen, um die Ursache für den Schaden zu finden“, erklären die Sachverständigen. Ein Untersuchungsverfahren ist zum Beispiel die Thermografie, die zur Ergründung von Schimmelursachen zur Anwendung kommt. Dabei wird unter definierten Rahmenbedingungen die raumseitige Oberflächentemperatur des vom Schimmelbefall betroffenen Außenbauteils gemessen und in einem Thermogramm bildlich dargestellt. Aus dieser Darstellung lässt sich ablesen, ob eine die Tauwasser- und damit die Schimmelbildung fördernde Wärmebrücke im betroffenen Außenbauteil vorliegt (=Bereich mit schlechtem Wärmeschutz).Ein Schimmelschaden muss allerdings nicht zwingend nur konstruktionsbedingte Ursachen haben, sondern kann auch durch falsches Lüften und Heizen entstehen. Es gilt also auch die Frage zu klären, ob der Nutzer den Schaden hätte vermeiden können oder ob die Konstruktion so schlecht ist, dass auf jeden Fall Schimmel entstanden wäre.

Nachdem die Untersuchungen vor Ort abgeschlossen sind, geht es für die Sachverständigen zurück ins Büro nach Krumbach. Hier werden die Erkenntnisse ausgewertet und auf Basis von Normen, Richtlinien, Planungs- und Bauvertragsunterlagen eine Beurteilung getroffen, auf was der Schaden zurückzuführen ist und/oder ob eine Abweichung von der geschuldeten Leistung vorliegt. Dann folgt die Schreibarbeit. Das Gutachten enthält die vor Ort zu einem oder mehreren Problempunkten getroffenen Feststellungen auf deren Basis die Schadens- bzw. Mangelbeurteilung erfolgt. Auf Wunsch werden auch Vorschläge zur Beseitigung von Schäden und Mängeln ausgearbeitet und kostenmäßig bewertet.

 

Tipp der Sachverständigen: Experten frühzeitig einbeziehen

Doch eigentlich ist es schon viel zu spät, einen Sachverständigen bei der Klärung der Schuldfrage einzubeziehen. „Wir können nur jedem Bauherren den Tipp geben, rechtzeitig nach sachkundigem Rat zu fragen. Wenn man merkt, dass etwas falsch läuft, genau dann ist der richtige Zeitpunkt uns einzuschalten.“, so unsere Sachverständigen. Hier ist auch die baubegleitende Begutachtung zu empfehlen: Dabei sichtet der Sachverständige schon vor dem Bau die Unterlagen und achtet auf kritische Punkte wie zum Beispiel Abdichtungsmaßnahmen. Aber nicht nur ein Neubau kann zu unschönen Überraschungen führen. Vor dem Kauf eines Hauses sollte auf jeden Fall ein Experte den baulichen Zustand bewerten, um versteckte Probleme offen zu legen.

Ein häufiges Problem ist auch, dass Bauherren an der falschen Stelle sparen. „Wenn bei einem Neubau an der Planung gespart wird, dann muss das bauausführende Unternehmen vor Ort wichtige Entscheidungen selbst treffen. Das muss schnell gehen und läuft dann oft schief.“ Die Liste der Fehler, die beim Bau häufig falsch gemacht werden, ist lang: Mängel an der Abdichtung und am Wärmeschutz oder Fehler bei Putzarbeiten sind nur Beispiele. Die Folge können Feuchteeintritte, Wärmebrücken oder Risse sein. Wenn unsere Sachverständigen dann gerufen werden, müssen sie herausfinden, was die Ursachen sind und wer für die Schaden verantwortlich ist.

Ein Fall, der in Erinnerung bleibt, ist der Dacheinsturz eines Einzelhandelsobjektes, bei dem die mit Nagelplattenbindern hergestellte Gebäudedachkonstruktion ohne Fremdeinwirkung in sich zusammenbrach. Um die Ursache zu klären, wurde in Zusammenarbeit mit der Tragwerksplanung von Kling Consult die eingestürzte Dachkonstruktion vor Ort untersucht und die Planungsunterlagen geprüft. Das Ergebnis: Für den Einsturz der Dachkonstruktion eine fehlerhafte Ausführung sowie eine statisch nicht vorgesehene Überlastung der Dachkonstruktion verantwortlich. 

Unterschiedliche Fälle sorgen für eine große Abwechslung im Berufsalltag bei den Sachverständigen. Voraussetzung für den Job ist ein Studium im Bereich Bauingenieurwesen, der Architektur oder der Abschluss des Bautechnikers. Außerdem sollte ein Kandidat technisches Verständnis und ein Talent fürs Schreiben mitbringen. Klingt interessant? Das Team freut sich über neue Gesichter!