Baugrundinstitut unterstützt die Neu- und Umbaumaßnahmen des Skisprung- und Langlaufstadions in Oberstdorf


  • Januar 2020
  • Dipl.-Geol. Jan Peter Burghard

Bestehende Sportstätten erfüllten die Anforderungen nicht mehr

Das bestehende Langlaufstadion „Ried“ im Stillachtal südlich von Oberstdorf sowie das Skisprungstadion „Am Schattenberg“ (AUDI-Arena) in der Nähe des Zentrums von Oberstdorf erfüllten die Anforderungen an ein modernes Trainingszentrum mit wettkampftauglichen Sportstätten nicht mehr. Im Bereich des Langlaufzentrums “Ried“ sind daher unter anderem ein neuer, wesentlich größerer Schneiteich als bisher sowie mehrere Gebäude neu errichtet worden. Darüber hinaus war eine Anpassung der Loipenführung gemäß den aktuellen FIS-Standards erforderlich. Diese mussten verbreitert werden, was im Hangbereich östlich des Stillachtals entsprechende Hangsicherungsmaßnahmen nach sich gezogen hat. Im Bereich des Skisprungstadions am Schattenberg mussten zwei Kleinschanzen vollständig neu gebaut werden, wofür großflächige Bodenbewegungs- und Hangsicherungsarbeiten notwendig waren. Weiterhin war die Errichtung eines neuen Sportleraufzugs, eines neuen Pumpenhauses zur Anlagenbeschneiung sowie eines neuen Gebäudes für die Athleten und deren Teams erforderlich. Darüber hinaus wurden Windnetze an der Großschanze errichtet, um einen gefahrlosen Sprungbetrieb auch bei Seitenwinden gewährleisten zu können.

 

Bohrungen in einer herausfordernden Umgebung

In teilweise sehr schwierigen alpinen Geländeverhältnissen wurde auf Grund des sehr hohen Zeitdrucks unmittelbar nach der Schneeschmelze im Frühjahr 2018 mit den Erkundungsarbeiten begonnen, welche im Juli 2018 abgeschlossen werden konnten. Im Bereich des Langlaufstadions wurden dabei insgesamt 23 Aufschlussbohrungen mit Bohrtiefen von bis zu 25 Metern als Rammkernbohrungen (in den kiesigen Talfüllungen der Stillach) bzw. als Seilkernbohrungen mit Wasserspülung (in die Festgesteinsbereiche des talbegrenzenden Hanges) durchgeführt. Im Bereich der AUDI-Arena wurden zehn weitere Baugrundaufschlussbohrungen in den Festgesteinen mit einer Untersuchungstiefe von bis zu 20 Metern sowie eine 35 Meter tiefe Schrägbohrung ausgeführt. Ergänzend zu den direkten Baugrundaufschlüssen mittels Aufschlussbohrungen erfolgte in den Untersuchungsbereichen weiterhin die Ausführung einer Vielzahl von Rammsondierungen als indirektes Aufschlussverfahren sowie in Teilbereichen ergänzend auch die Ausführung von unverrohrten Kleinrammbohrungen.

Das Untersuchungsgebiet ist durch die Alpenbildung tektonisch beansprucht, da die ursprünglich horizontal geschichteten Felsbereiche aufgefaltet wurden. Die räumliche Ausdehnung und Lagerung der Boden- und Felshorizonte konnten durch die Bohrarbeiten und ergänzende geologische Kartierungen vollständig erfasst werden, wodurch unsere Bauingenieure und Geologen schlüssige Baugrundmodelle und darauf aufbauend die für Planung und Bau erforderlichen Angaben erarbeiten konnten:

  • Ermittlung der erforderlichen Gründungsempfehlungen für die jeweiligen Bauwerke
  • Durchführung von Berechnungen im Hinblick auf die Standsicherheit von Böschungen
  • Erarbeitung von Empfehlungen zur Sicherung der Böschungen durch entsprechende Verankerungen bzw. Vernagelungen, wo diese notwendig wurden
  • Ausarbeitung der erforderlichen Angaben zur Herstellung von übersteilten Böschungen nach dem Prinzip der „bewehrten“ Erde als Grundlage für die hierfür erforderlichen Planungen

 

Kurze Bearbeitungszeit durch gute Zusammenarbeit aller Beteiligten

Durch das gute Zusammenwirken zwischen Auftraggeber, Planern, Kling Consult sowie auch der mit den feldtechnischen Untersuchungen beauftragten Unternehmen konnten sämtliche geotechnischen Gutachten und Berichte für dieses komplexe Projekt mit einer Vielzahl kleinerer “Unterprojekte“ innerhalb von nur rund elf Monaten Bearbeitungszeit vollständig abgeschlossen werden. Mit der Ausführung der Um- und Neubaumaßnahmen konnte somit im Frühjahr 2019 planmäßig begonnen werden, damit die Sportanlagen zur Vierschanzentournee im Dezember 2019 sowie zum Nordischen Wochenende im Januar 2020 zur Verfügung stehen.

 

Ein Eindruck über den Umfang der Bauarbeiten verschafft das offizielle Bautagebuch (www.oberstdorf2021.com/bautagebuch), das den Fortschritt der Bauarbeiten regelmäßig dokumentiert hat.

Neuer Schneiteich mit 40.000m³ Fassungsvermögen (Quelle: Sportstätten Oberstdorf)

Neubau von zwei Kleinschanzen (Quelle: Sportstätten Oberstdorf)

Hangsicherungsarbeiten im Bereich des Langlaufzentrums

Entnommene Bodenproben im Untersuchungsgebiet